Die Leitidee des Entwurfs
Ziel der Planung ist es, die fragmentierten Bereiche in einen Kontext zu setzen und diese entgegen einer weiteren Überformung des Areals sensibel weiterzuentwickeln. Der Bewegungsparcours schafft den übergeordneten Rahmen des Friedrich-Parks und führt ihn künftig thematisch zusammen. Mehrere Eingänge dienen als Trittsteine aus den Nachbarschaften auf den umlaufenden Wegeloop.
Insgesamt gibt es vier Haupteingänge und neun Nebeneingänge, die den Park rundum erschließen.
Die Haupteingänge an der Warbruckstraße, an den Parkplätzen der Goebenstraße und am Zechenwald sowie der nördliche Haupteingang an der Aldenrader Straße verknüpfen den Friedrich-Park in allen vier Himmelsrichtungen mit seiner Umgebung.
Zudem sind sie durch den ÖPNV und MIV ideal angebunden. Die Gestaltung der Eingänge durch eine rotkörnige wassergebundene Wegedecke wird zum wiederkehrenden Erkennungsmerkmal im Friedrich-Park. Aufweitungen der Wege a den Eingängen schaffen darüber hinaus offene, einladende Räume, die zum Verweilen, Beobachten und Begegnen anregen. Jeder Eingang erhält eigene identitätsstiftende Elemente, die im Zusammenhang mit dessen stehen. Zusätzliche Informationsstelen fördern die Orientierung im Park. Die rote Oberflächengestaltung überträgt sich auf die Bewegungsinseln und ‑stationen, die den Bewegungsparcours weiter aufladen. Die Bewegungsinseln konzentrieren sich auf Bereiche, die bereits von den Anwohnenden angenommen werden, Entwicklungspotential bieten und den positiven Wandel im Stadtteil sichtbar machen.
So entstehen im Friedrich-Park drei Bewegungsinseln mit unterschiedlichen Schwerpunkten, die verschiedene Nutzungsgruppen zusammenbringen und den Park zu einem lebendigen Ort der Begegnung machen.
Im Zusammenhang mit der Wolfsbahntrasse, dem Enten-Karree und dem Schwelgernpark lässt der Friedrich-Park ein Grünes Band rund um Marxloh zusammenwachsen. Es entsteht ein übergeordneter Freiraum, der die Stadtteile Marxloh und Fahrn miteinander verbindet und neue Möglichkeiten für Erholung, Begegnung und Identitätsbildung schafft.
Leitendes Element des Grünen Bands ist der Bewegungsparcours. Als zentraler Wegeloop erschließt er die Parkräume und vernetzt sie mit den umliegenden Quartieren.
Die Stärke Marxlohs zeigt sich in seiner Vielfarbigkeit. Die individuellen Charakteristika und dessen lokale Geschichten prägen das Bild des Stadtteils und spiegeln sich bereits heute in den Parkräumen wider. Diese Identitäten werden in und um den Park aufgelesen und finden in Form von Bewegungsstationen und ‑inseln entlang des Parcours neuen Raum zum Wachsen. Unterschiedliche Nutzungsangebote für verschiedenen Altersgruppen und Interessen schaffen einen lebendigen Ort der Begegnung — einen Raum für Aktivität, Ruhe und gemeinsames Erleben. Dabei wird das Grüne Band zum Entfaltungsraum der Vielfalt Marxlohs. Für jede und jeden ist der Freiraum etwas Anderes und Eigenes.
Die Beurteilung des Preisgerichs
Die Idee, die Menschen als Nutzer in den Vordergrund der Gestaltung zu stellen, wird gewürdigt und ist konsequent durchgearbeitet. Auch das Ziel des Entwurfsverfassers, dem fragmentierten Raum mittels des Bewegungsparcours einen starken und übergeordneten Rahmen zu geben, wird erkannt.
Dem Entwurf ist anzusehen, dass eine intensive Auseinandersetzung mit den verschiedenen Räumen stattgefunden hat. Durch maßstäbliche Eingriffe und eine durchdachte Wegeführung gelingt es, den Friedrich-Park als Ganzes trotz der trennenden Fritz-Schupp-Straße und des Walls wahrzunehmen.
Größere Interventionen finden in Form von drei Bewegungsinseln statt, die entlang des grünen Bandes verteilt sind: Begegnungswiese, Zechenwald und Abenteuerlichtung. Die Bewegungsinsel Zechenwald wird hierbei kontrovers in Bezug auf ihre Ausdehnung und Nutzungsintensität diskutiert, bietet allerdings auch glaubwürdig Raum für Naturbildung. Die Begegnungsinsel Abenteuerlichtung fügt den geplanten Spielplatz harmonisch in das Wegenetz ein. Eine besondere Stärke des Entwurfs ist die große Begegnungsinsel, die die Wiese zu einem grünen Parkraum zu inszenieren weiß. Spielplätze und Aufenthaltsbereiche sind folgerichtig in Richtung Familienzentrum ausgerichtet. Die komplexe Wegegeometrie, die sich Grundstücksgrenzen und anderen Begebenheiten anpasst, wird kontrovers diskutiert.
Kleinere Interventionen finden in Form von Begegnungsstationen entlang der Wege statt. Lobend hervorgehoben wird der Ausguck an der Lerchenwiese für sensible Naturbeobachtung. Die Gestaltung der Aussichtsplattform wird jedoch nicht weiter ausgeführt.
Die Eingangsplätze sind angemessen dimensioniert und platziert, eine detailliertere Darstellung zur genaueren Gestaltung wird jedoch vermisst. Die 20 vorgeschlagene Herstellung der wassergebundenen Wegedecke in scharf abgegrenzten Flächen mit zwei unterschiedlichen Farben wird als kaum durchführbar gesehen und kritisch die Frage diskutiert, inwieweit die Prägnanz des Entwurfs auch ohne zweifarbige Oberfläche entsteht.
Der Bewegungsparcours schafft es mit Platzaufweitungen entlang der Wege a den richtigen Stellen, ein abwechslungsreiches Bewegungsangebot für alle Altersgruppen zu schaffen. Vermisst werden Aussagen zu barrierefreien Spielangeboten. Als Spielgeräte werden meist handelsübliche Produkte vorgeschlagen, die dichte Aufstellung wird kontrovers diskutiert.
Insgesamt schafft es der Verfasser einen Park zu entwerfen, der dem Nutzungsdruck in Marxloh gerecht wird, indem er ein vielseitiges Angebot mit gut aneignungsfähigen Flächen und unterscheidbaren Teilräumen schafft.



