Die Leitidee des Entwurfs

So bunt wie Marx­loh sind auch die unter­schied­li­chen Spu­ren, die es dort zu ent­de­cken gilt, wel­che den Aus­gangs­punkt der Gestal­tung bil­den. Im Umgang mit die­sen wur­den fünf Stra­te­gien ent­wi­ckelt.

Über klei­ne punk­tu­el­le Umwelt­sta­tio­nen kann die Natur [im Fried­rich-Park] mit ganz unter­schied­li­chen Sin­nen wahr genom­men wer­den. Bereits bestehen­de Bio­to­pe wer­den neu insze­niert. Die Ler­chen­wie­se kann so aus unter­schied­li­chen Blick­win­keln unter­sucht wer­den. Der Zechen­wald folgt dem Motiv der Rück­ge­win­nung der Natur über den Raum der ehe­ma­li­gen Gleis­an­la­gen. Ein Holz­steg, mit punk­tu­el­len Fun­da­men­ten für mög­lichst wenig Ein­griff in den Boden, führt durch die­sen hin­durch.

Am Kno­ten­punkt der über­la­ger­ten Bewe­gungs­rin­ge und dem süd­li­chen Haupt­zu­gang des Parks an der War­bruck­stra­ße befin­det sich der Spiel- und Bewe­gungs­raum „Im Zechen­land”. Der Spiel­platz greift die mar­kan­te Sil­hou­et­te der regio­na­len Indus­trie­land­schaft auf und ver­wan­delt sie in eine spie­le­ri­sche Erleb­nis­welt. Neben dem Spiel­schwer­punkt bil­den sich drei wei­te­re klei­ne­rer Treff­punk­te für unter­schied­li­che Nut­zen­den­grup­pen und Bedürf­nis­se aus, in deren Mit­te sich eine offe­ne grü­ne Spiel- und Lie­ge­wie­se auf­spannt und frei von vor­ge­ge­be­nen Nut­zun­gen bespielt wer­den kann. Die Spiel­land­schaft kann bereits vom süd­li­chen Ein­gang über Blick­ach­sen wahr genom­men wer­den. An den Zugän­gen und im Park fin­den sich Ele­men­te aus dem Bewe­gungs­par­cours wie­der, um eine ein­heit­li­che Frei­raum­ge­stal­tung rund um Marx­loh her­zu­stel­len. Sie mar­kie­ren Spu­ren sowie Treff­punk­te und Auf­ent­halts­räu­me.

Die Rou­te des Bewe­gungs­par­cours — ein Streif­ZUG durch Zeit und Raum ori­en­tiert sich am Ver­lauf der ehe­ma­li­gen Wolfs­bahn­tras­se, wel­che bis zur Zeche des Fried­rich-Parks führ­te und dem eins­ti­gen Bruch­gra­bens an Stel­le des heu­ti­gen Schwel­gern­parks.

Gestal­te­risch grei­fen die (Bewegungs-)Stationen den linea­ren Cha­rak­ter der his­to­ri­schen Bahn­tras­se auf und fun­gie­ren als Hal­te- und Begeg­nungs­räu­me an wich­ti­gen Kreu­zungs- und Iden­ti­täts­punk­ten Marx­lohs. Uber die röt­li­che Signal­far­be in der Aus­stat­tungs- und Mate­ri­al­ebe­ne machen sie auf sich auf­merk­sam und erleich­tern die Ori­en­tie­rung über ihre hohe Wahr­nehm­bar­keit. Die Sta­ti­ons­ele­men­te sind in Anleh­nung an den Skulp­tu­ren­pfad eben­falls abs­tra­hier­te „Bewe­gungs­kunst­wer­ke”.

Die Sta­tio­nen arbei­ten stark mit dem Ort, was die Nut­zung, Atmo­sphä­re und die jewei­li­gen Nar­ra­ti­ve betrifft. Die Spu­ren die­nen als Anhalts­punk­te und schaf­fen Impul­se für eine neue Ebe­ne des Sto­rytel­lings und der akti­ven Begeg­nung und Annä­he­rung des Rau­mes. Die Sta­tio­nen sind so kon­zi­piert, dass sie in ihrer Gesamt­heit eine gro­ße Band­brei­te an Akti­vi­tä­ten abde­cken und die bis­he­ri­gen Ange­bo­te Marx­lohs erwei­tern. Sie sind nie­der­schwel­lig und bar­rie­re­frei (bzw. mit Aus­nah­me bar­rie­re­arm) kon­zi­piert und spre­chen jeweils unter­schied­li­che Alters­grup­pen und Moto­rik­le­vel an. Neben dem bis­her beschrie­be­ne Rund­weg knüpft eine wei­te­re Spu­ren­fähr­te im nörd­li­chen Teil des Bewe­gungs­par­cours an. Die­se Park­run­de über­la­gert sich mit dem vor­her beschrie­be­nen Par­cours im süd­li­chen Teil des Fried­rich-Parks und erzeugt einen Bewe­gungs­ring inner­halb des­sen.

Die Beurteilung des Preisgerichts

Die Arbeit zeigt eine kla­re Hal­tung in der Gestal­tung der Frei­räu­me am Ran­de des Sied­lungs­raums im Stadt­teil Duis­burg-Marx­loh, ein­schließ­lich der angren­zen­den Grün­räu­me nörd­lich der Fritz-Schupp-Stra­ße. Der Fried­rich-Park wird als ein ur-baner, viel­fäl­ti­ger und robus­ter Raum ent­wi­ckelt, der wert­vol­le fuß­läu­fi­ge Wege­ver­bin­dun­gen auf­nimmt und sich so gut mit dem angren­zen­den Stadt­raum ver­zahnt.

Mit dem Titel Spu­ren­su­che — Ent­de­ckungs­rei­se durch die GeSchich­ten von Marx­loh” nimmt die Pla­nung den Geist des Ortes auf und macht ihn zum Leit­bild der Gestal­tung.

Der Neu­ge­stal­tung des Frei­raums „Fried­rich-Park” und der bestehen­den Frei­rau­mach­se der ehe­ma­li­gen Wolfs­bahn­tras­se vom Enten-Kar­ree bis zur Que­rung der War­bruck­stra­ße gelingt es, die unter­schied­li­chen Nut­zungs­an­sprü­che von groß­zü­gi­gem Frei­raum und klein­tei­li­ger Aneig­nung durch Anwoh­nen­den auf über­zeu­gen­de Wei­se zu lösen. Mit geziel­ten Inter­ven­tio­nen aus ört­lich ange­pass­ten Mate­ria­li­en wer­den Auf­ent­halts- und Bewe­gungs­räu­me gebil­det, die sich gut in den Raum ein­fü­gen.

Die Far­be „Rot” wird als lokal wirk­sa­me Far­be ermit­telt und Iden­ti­tät stif­tend ein­ge­setzt. Die strin­gen­te Anwen­dung des dar­aus abge­lei­te­ten Farb- und Mate­ri­al­sche­mas in der Gestal­tung der Sta­tio­nen des Bewe­gungs­par­cours sowie der Zugän­ge als Treff­punk­te und Auf­ent­halts­be­rei­che wird posi­tiv bewer­tet.

Die Ver­knüp­fung der zwei Bewe­gungs­rin­ge, des süd­li­chen Bewe­gungs­par­cours und der nörd­lich gele­ge­nen Park­run­de im Bereich der zen­tra­len Frei­flä­che des Fried­rich-Parks ist gut plat­ziert und schafft einen gut auf­find­ba­ren und nutz­ba­ren Anschluss des bestehen­den Frei­raums über die Bar­rie­re des Lärm­schutz­walls sowie über den angren­zen­den Stra­ßen­raum hin­weg.

Die rings um die bestehen­de Wie­sen­flä­che ange­ord­ne­ten Spiel- und Auf­ent­halts­be­rei­che bil­den das zen­tra­le Ele­ment des süd­li­chen Fried­rich-Parks und damit das Herz­stück die­ses Aktiv­raums. Die Gestal­tung mit über­dach­tem Sitz­platz, Spiel­platz und Tisch­ten­nis­feld schafft wert­vol­le und kom­mu­ni­ka­ti­ve Räu­me, die sich gene­ra­ti­ons­über­grei­fend an den brei­ten Quer­schnitt der Nut­zen­den rich­ten. Die Aus­ge­stal­tung der Spiel­ele­men­te, die sich unter dem Mot­to „Im Zechen­land” aus­schließ­lich auf die His­to­rie des Zechen­ge­län­des bezieht, kann jedoch kaum über­zeu­gen.

Dage­gen deut­lich posi­tiv bewer­tet wird die gut pro­por­tio­nier­te Maß­stäb­lich­keit, die die nut­zungs­of­fe­ne zen­tra­le Wie­sen­flä­che, sowie die gut gewähl­te Wege­füh­rung in die­sem Park­teil bie­ten und sich über den Lärm­schutz­wall hin­weg nörd­lich der Fritz-Schupp-Stra­ße fort­setzt. Die bestehen­den Poten­zia­le, die sich mit Zechen­wald, Ler­chen­wie­se und wert­vol­lem Baum­be­stand dar­stel­len, wer­den ange­mes­sen genutzt und im Hin­blick auf eine exten­si­ve frei­räum­li­che Gestal­tung, Umwelt­erleb­bar­keit und Sozi­al­ver­träg­lich­keit gut in Wert gesetzt. Ins­be­son­de­re die Anord­nung des Fuß­we­ges ent­lang der Böschung nörd­lich der Gewer­be­flä­chen sowie die bestands­er­gän­zen­de Anpflan­zung vom Bäu­men in die­sem Park­teil wer­den posi­tiv bewer­tet.

Sehr über­zeu­gend ist die kon­se­quen­te, wirk­sa­me und ein­fa­che Gestal­tung der Neben­ein­gän­ge, die ein ganz­heit­li­ches Sys­tem erge­ben, wel­ches über den Gesamtraum hin­weg die Teil­flä­chen Nord und Süd ver­bin­det.

Wäh­rend der Nord­teil durch sei­ne Ruhe und Groß­zü­gig­keit über­zeugt, bie­ten die Sta­tio­nen des Bewe­gungs­par­cours im Bereich der Wege­ver­bin­dung der  ehe­ma­li­gen Wolfs­bahn­tras­se ein dif­fe­ren­zier­tes und vielt­äl­ti­ges Ange­bot.

Dem gestal­te­ri­schen Leit­bild fol­gend, wer­den die Sta­tio­nen des Bewe­gungs­par­cours ideen­reich und viel­fäl­tig aus­ge­stat­tet. Auch hier wird den Spu­ren des Orts gefolgt. Der Ent­wurf bie­tet so indi­vi­du­el­le, cha­ris­ma­ti­sche Sport- und Frei­zeit­an­ge­bo­te für Nut­zen­de unter­schied­li­cher Alters­grup­pen und Geschlech­ter. Der ört­li­che Bezug nimmt die Ansprü­che der Gesell­schaft des Stadt­teils Marx­loh auf und schafft ein hohes Maß an Bin­dung und Iden­ti­tät.

Ins­ge­samt han­delt es sich um einen Bei­trag, dem in her­vor­ra­gen­der Wei­se die Auf­wer­tung des Raums gelingt, sowohl in kli­ma­re­si­li­en­ter Hin­sicht, als auch im Hin­blick auf die räum­li­che und funk­tio­na­le Qua­li­tät.

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